Liberale freuen sich über Martin-Schulz-Effekt RP 23.03.2017

Der FDP-Landesvorsitzende Christian Lindner gilt als großer Redner.
Der 38-jährige Wermelskirchener spricht frei und nimmt die Zuhörer mit. Sein Freund Johannes Vogel ähnelt ihm. Er stammt auch aus Wermelskirchen im Oberbergischen und ist genau so ein großer Redner wie Lindner.

„Wir kennen uns schon aus der Schulzeit“, erzählt Johannes Vogel, der dreieinhalb Jahre jünger ist als der FDP-Landesvorsitzende. Seit dem Jahreswechsel ist er als Leiter der Wuppertaler Agentur für Arbeit freigestellt, um hauptberuflich als Generalsekretär der NRW-FDP Wahlkampf zu machen – wie jetzt beim Ortsparteitag der Rheinberger Liberalen im Landgasthaus Steinhoff.

Aktuell freut er sich über die Schützenhilfe des SPD-Kanzlerkandidaten. „Bei uns gibt es einen Martin-Schulz-Effekt“, sagte er schmunzelnd. „Vor sechs Wochen wurde er Kanzlerkandidat. Seitdem haben wir 600 neue Mitglieder.“ Jetzt seien es landesweit 14.500. Er sprach die großen Themen an, mit denen die Liberalen bei der Landtagswahl am 14. Mai punkten wollen, um dann am 24. September auch wieder in den Bundestag einzuziehen. Ganz oben stehe die Innere Sicherheit. „Wir brauchen nicht mehr Gesetze, sondern mehr Polizisten“, zitierte er den Slogan der FDP. Bei der Wahl gehe es auch darum, den Landesinnenminister abzuwählen. „Ralf Jäger muss weg“, sagte der FDP-General. „Er weist eine desaströse Bilanz auf.“

Das zweite Thema sei die Bildung. „Wir müssen Kinder auf die Digitalisierung vorbereiten“, sagte er vor 20 Parteifreunden in Budberg, darunter Vorsitzender Rainer Mull. Informationstechnologie müsse Unterrichtsfach werden. Er sprach sich dafür aus, dem Bund Einfluss auf die Bildungspolitik zu geben, bislang allein Sache der Länder.

Das dritte Thema sei die Wirtschaft. Hier setzt Johannes Vogel auf weniger Bürokratie und ein anderes Denken. Ein viertes Thema sei die Digitalisierung des Staates. Er zitierte Estland als Vorbild, das als Land auf dem Weg zu einer papierfreien Verwaltung sei, in dem eine Steuererklärung, die elektronisch übermittelt werde, nach drei Minuten bearbeitet sei.

Meinungsforscher sehen die Liberalen im Land bei neun bis elf Prozent. Doch der Generalsekretär warnt. Es sei gefährlich, sich auf den Umfrageergebnissen auszuruhen. „Zahlen ändern sich schnell. Die meisten Wähler entscheiden sich erst wenige Tage vor der Wahl“, so Vogel. Er plant daher ein besonderes Ereignis. „Am 11. Mai gibt es einen FDP-Sonderparteitag“, lüftete Vogel in Budberg ein strategisches Wahlkampfgeheimnis.
Von Peter Gottschlich

 

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