Keine neuen Fachkräfte für die Rheinberger Bücherei DER WESTEN vom 19.02.2014

Buecherei-in-RheinbergBis auf die Grünen sind CDU, SPD und FDP in unterschiedlichen Abstufungen der Meinung, dass die Personallücke mit ehrenamtlichen Kräften überbrückt werden kann.

An der prekären personellen Situation in der Stadtbibliothek wird sich zunächst nichts ändern, ist das Ergebnis der gestrigen Sitzung des Kulturausschusses. Denn bis auf die Grünen ist keine der anderen Fraktionen bereit, dem Team qualifiziertes Personal zur Verfügung zu stellen. Mehr Ehrenamt, so das Credo von CDU und FDP, mehr Ehrenamt lautete auch die Forderung der SPD. Die Genossen erwarten zudem Vorschläge von der Verwaltung, wie zum Beispiel durch kurzfristige Umsetzungen von Personal aus der Verwaltung in die Bücherei die alten Öffnungszeiten wieder möglich werden können.

Zum Hintergrund: Die Personaldecke in der Stadtbücherei ist mehr als dünn. Statt vier Stellen sind es nur noch 2,99. Im Herbst soll eine Kollegin aus der Elternzeit zurückkommen. Offiziell ist es noch nicht, aber in Gesprächen soll sie bereits gesagt haben, dass sie nicht mehr Vollzeit arbeiten möchte. Nur: Geld für neues Personal gibt’s nicht

Wie in Borth und Orsoy

Schuld ist das Haushaltssicherungskonzept. Die Bücherei selbst ist dort gar nicht erwähnt, aber in Sachen Personal sind quer durch die gesamte Verwaltung Sperrfristen für Wiederbesetzungen vorgesehen. In der Bücherei wurden die Öffnungszeiten reduziert, ein Ehrenamtler wird eingearbeitet und auf die Genehmigung für einen Bufdi gewartet. Hilft aber alles nichts: Als in der vergangenen Woche eine Kraft plötzlich krank wurde und technische Probleme dazu kamen, musste die Bücherei außerplanmäßig schließen – sehr zum Ärger der Leser.

Solche Situationen, befürchtet Kulturbüro-Leiterin Vera Thuleweit, wird es angesichts der dünnen Personaldecke immer wieder geben. Von der Belastung der Mitarbeiter ganz zu schweigen. Zurzeit wird umorganisiert, das Team hält zusammen, um Urlaubszeiten aufzufangen, Urlaub muss schließlich weg, arbeitet anders und, und, und. Überflüssig zu sagen, dass jede Menge Überstunden die Folge sind. Und es reicht eben nicht.

Für die CDU ist alles einfach: Bei plötzlichen Ausfällen müsse jemand aus der Verwaltung aushelfen, ansonsten sollte man verstärkt aufs Ehrenamt setzen, bis die Mitarbeiterin aus der Elternzeit zurückkehrt. Ehrenamt und Bücherei, so die Sprecherin der CDU im Ausschuss, Angelika Sand, funktionierten in Borth und Orsoy,, dort werde ebenfalls viel für Jugendliche getan. Im Übrigen solle bitte später niemand sagen, die Ausleihzahlen wären wegen der reduzierten Öffnungszeiten gesunken, die würden seit Jahren zurückgehen.

Heinz-Jürgen Lenz (FDP) bemühte John. F. Kennedy, um den Antrag seiner Partei – Personalkosten senken durch mehr Ehrenamt – zu untermauern. In dem berühmten Ausspruch aus Kennedys Antrittsrede „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst“ könnte „Land“ auch durch „Stadt“ ersetzt werden. Ehrenamtliches Potenzial in der Stadt sei vorhanden, das habe man zuletzt beim Bürgerbus gesehen. Aber es müsse klar sein, dass ehrenamtliche Kräfte längerfristig bleiben würden, ansonsten sei diese Lösung eine zusätzliche Belastung für das Team. Edith Justen-Bechstein (SPD) bedauerte wortreich, wie schwer es ihrer Fraktion falle, Dinge zu beschließen, „die uns sehr weh tun“, riet aber letztendlich auch dazu, die Zeit durch Einsatz von Ehrenamt zu überbrücken.

Lesefähigkeit und Medienkompetenz

Die Grünen, betonte Dietmar Heyde, seien nicht grundsätzlich gegen das Ehrenamt, aber das alleine reiche nicht. Eine Bibliothek brauche auch qualifizierte Kräfte, eben Fachkräfte. Es handele sich um einen Ausbildungsberuf und um einen Studiengang, es gehe um Lesefähigkeit und Medienkompetenz.

Dass Bürgermeister Hans-Theo Mennicken das Ehrenamt schätzt, ist bekannt. Und er habe auch Hochachtung für das Engagement der Mitarbeiter in den ehrenamtlichen Büchereien in Borth und in Orsoy. Aber, so der Verwaltungschef, der Anspruch der Stadtbibliothek sei schon ein anderer.

Vor der Sitzung hatte der Kulturausschuss die Gelegenheit, die Stadtbücherei zu besichtigen und sich die Arbeit vorstellen zu lassen. Es nahmen genau vier Ausschussmitglieder teil, zwei von der SPD, einer von den Grünen und einer von der FDP. Das war Heinz-Jürgen Lentz und er prangerte die Abwesenheit der CDU bei dem Termin mit einem Zitat aus der NRZ an: „Bücher haben keine Lobby.“

Carmen Friemond

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