Bergbau muss Altrhein sanieren RP vom 08.05.2014

rp080520142Rheinberger Schutzgemeinschaft weist auf Altlasten durch Kohleabbau hin.

Fossa und Altrhein dürfen nicht als Quasi-Sondermüll-Deponie liegenbleiben. Meint die Schutzgemeinschaft Bergbaubetroffener (SGB). Sie nutzte ihren Stammtisch, um der Politik auf den Zahn zu fühlen, wie sie nach der Kommunalwahl mit diesem Thema umzugehen gedenke.

Dabei fasste die SGB noch einmal den Hintergrund des Dilemmas zusammen: Fast 100 Jahre lang habe der Kohlebergbau von Kamp-Lintfort aus Grubenwässer durch Fossa und Altrhein fließen lassen. Die Fossa sei durch eine Folie leidlich abgedichtet, im Rheinberger Altrhein hätten sich allerdings auf 2,5 Kilometern Länge und 20 bis 25 Metern Breite bis zu einen Meter dicke Sedimente abgelagert. „Auch radioaktives Material, Arsen, Zink – Umweltgifte. Die Sanierung würde 20 bis 25 Millionen Euro kosten“, so Hans Schwerdt. Er befasst sich in der SGB seit Jahren mit der Problematik. Die Linksniederrheinische Entwässerungsgenossenschaft (LINEG) habe immerhin „Hot Spots“ abgeräumt. Doch das Thema Altrhein packe niemand an. Schwerdt: „Man hat das als Naturschutzgebiet ausgewiesen, wo Menschen nichts zu suchen haben – wo daher auch keine akute Gefahr droht.“

Die Wirklichkeit sehe anders aus: „Da wird geangelt, da sitzen Jugendliche beim Picknick.“ Da muss endlich etwas passieren, stimmten die Stammtischbesucher Schwerdt zu. Zumal nach Ende des Kohleabbaus in Kamp-Lintfort der Zeitpunkt für eine Sanierung denkbar gut sei. SGB-Vorstand Ulrich Behrens: „Soweit wir wissen, kommt keine neue Belastung hinzu, weil keine Grubenwässer mehr eingeleitet werden.

Bei einem früheren Stammtisch hatten bereits Vertreter von CDU und SPD versichert, dass die Altrhein-Sanierung für sie in der nächsten Legislaturperiode auf der Agenda stehe. Beim jüngsten Treffen konnten sich Rainer Mull (FDP) und Karin Wolk (Grüne) äußern. Für Wolk ist die Sache klar: „Die RAG hat es verbockt – genauso wie der Bergbau Straßenschäden und Risse in Häusern verursacht hat und dafür gerade stehen muss,“ Aber: „Der Bergbau hat nach wie vor eine Riesenlobby, die versucht, alles kleinzuhalten, was an Forderungen und Wünschen auf den Tisch kommt.“

Auch Rainer Mull hatte großes Verständnis für das Anliegen der SGB, auch wenn es nicht tagesaktuell auf der politischen Themenliste stehe. Seine Sorge: Der Bergbau werden alle Hebel in Bewegung setzen, um Sanierungskosten zu vermeiden. Land, Bund und EU würden maximal 80 Prozent übernehmen – den verbleibenden Rest von vier Millionen Euro könne Rheinberg zurzeit nicht finanzieren.

Von Rainer Kaussen

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